EU Eigenimport - KnowHow

EU Import ja, aber wie?

Die attraktiven Preise für EU-Neuwagen die man angeboten bekommt, sind sicher allen die auf der Suche nach einem neuen, fahrbaren Untersatz sind schon aufgefallen. Stellt sich aber die Frage - wie kommt man nun an ein solches Auto, an eine solche Ersparnis?

Möchte hier von meinen Erfahrungen des Eigen-Imports aus Polen berichten.

Am Anfang steht die Suche - mobile.de oder truckscout24.de - sind wohl die bekanntesten und größten Suchmaschinen für Autos und auch Kastenwagen. Hier kann man schnell feststellen, dass Kastenwagenmodelle wie der Fiat Ducato, Citroen Jumper oder Peugeot Boxer im "EU-Ausland" um einige tausend Euro unter den Preisen deutscher Händler und Fahrzeuge liegen. Vergleicht man die EU Angebotspreise gar mit den deutschen Listenpreisen sind Einsparungen von 10.000,€ und mehr keine Seltenheit, sondern eher schon die Regel. Selbst verglichen mit den Angebotspreisen deutscher EU-Importeure lassen sich schnell nochmal 1-2.000 Euros einsparen, wenn man sein Auto selbst in der EU kauft und importiert.

Hat man sein Wunschauto gefunden sollte man sich den anbietenden Händler genauer ansehen. Man kann die Adresse z.B. mit Google-Maps prüfen, sich die Internetseite ansehen und natürlich auch nach den Erfahrungen anderer im Internet suchen. In meinem Fall fielen diese doch noch recht groben Vertrauensprüfungen positiv aus - ein IVECO / FIAT Professional Händler in Poznan, Polen. Die weiteren Schritte des Import-Abenteuers nachfolgend:

EU-Neuwagen?

Augen auf beim Autokauf - ein alter Spruch, aber wahr. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Begriff EU-Neuwagen nicht unbedingt einen "echten" Neuwagen beschreibt. Nach EU Recht und insbesondere im Hinblick auf die sich ergebende Mehrwertsteuerpflicht, ist ein EU-Neuwagen ein Auto, das noch keine 6 Monate im Ursprungsland zugelassen war oder noch keine 6000 km auf dem Tacho hat. Solange dies der Fall ist, gilt das Auto also als EU-Neuwagen! Ärgerlich wird es, wenn man z.B. einen Wagen kauft, der aber erst 4500 km gelaufen ist. Denn dann muss man bei der Einführ die Mehrwertsteuer zahlen - 19%! Hätte er 6001 km auf dem Tacho, wäre er von der Mehrwertsteuer befreit! Also gut aufpassen. Es kann sich somit als sehr lohnend erweisen einen EU Vorführwagen zu kaufen - denn dann, wenn seine Zulassung vor mehr als 6 Monaten erfolgte oder er mehr als 6000 km gelaufen hat, entfällt die in Deutschland zu zahlende Mehrwertsteuer. Insbesondere den privaten Käufer könnte also das Modell des EU-Gebrauchtwagenimportes besonders interessieren - 19% Ersparnis winken.

Angebot:

Hat man sein Wunschauto im Internet gefunden, ist der nächste Schritt die Kontaktaufnahme. Also erstmal eine knappe E-Mail und Interesse am Fahrzeug bekunden, um weitere Informationen bitten. Wer's kann sollte in englischer Sprache schreiben und gleich fragen, ob man Deutsch versteht - das erleichtert manchmal so einiges. Eine Antwort sollte nicht zu lange auf sich warten lassen. Ich bekam schon am nächsten Tag eine Antwort, in deutscher Sprache - mit einem PDF als Anlage. Darin ein verbindliches Angebot, ein Liefertermin, sogar schon eine Fahrgestellnummer und eine technische Modell- und Ausstattungsbeschreibung. Die hab ich dann nochmal mit den Merkmalen der Anzeige in mobile.de verglichen und mir die Abweichungen (es fehlte z.B. der 125l Tank im Angebot), wiederum per Email, als im Angebot enthalten bestätigen lassen.

Bestellung:

Nachdem alle Unklarheiten der Fahrzeugausstattung geklärt waren habe ich das Auto bestellt. Angebot unterschreiben und per Fax retour senden. Wie ebenfalls im Angebot bereits genannt war, folgte nun die Überweisung einer Anzahlung von 900,-€. Der freundliche Verkäufer erklärte mir, dass dies notwendig sei um schonmal das CoC Dokument für das Auto bestellen zu können, und das braucht man unbedingt. Das erste wirkliche Risiko dieser Aktion, denn weg ist weg und wenn man einem Betrüger aufgesessen ist, wird man das Geld wohl nicht wiedersehen. Die Anzahlung ist aber durchaus üblich und hielt sich, gemessen am Wert des Autos, in vertretbaren Grenzen.

Der Kauf im EU Ausland erfolgt übrigens Netto - also ohne Berechnung der nationalen Mehrwertsteuer. Diese ist erst im Bestimmungsland, also Deutschland, zu entrichten. Also beachten, dass zum Angebotspreis in Polen noch die 19% MwSt. aus Deutschland hinzukommen - es sei denn, man kauft als Unternehmen und hat eine entsprechende Ust.-ID. Dann bleibts beim Nettopreis.

Abholung

Mit meiner Bestellung habe ich den Abholtermin vereinbart. Da es ein Lagerfahrzeug war wurde mir der auch zugesichert. Wie sich aber ein paar Tage später zeigte, war der Termin nicht haltbar. FIAT soll die Händler angewiesen haben nur noch Fahrzeuge die bereits in Polen eine Kurz-Zulassung erhalten haben an EU Kunden zu liefern. Ein glatter Bruch geltenden EU Rechtes, aber was soll ich das mit dem Händler diskutieren. Wie ich erfuhr, dauert es 10-14 Tage bis die notwendigen Papiere beisammen sind. Also hiess es erstmal wieder warten. 2 Wochen später konnte ich das Auto dann endlich abholen.

Papiere

Das wichtigste Papier das man vom Händler bekommen muss ist die COC. Eine A4 Seite die innerhalb Europas die technischen Eigenschaften des Fahrzeuges dokumentiert. Ohne dieses Papier geht nix - also unbedingt beachten. Ebenso wichtig ist die Rechnung im Original zu erhalten - das Wort "Original" sollte sich am besten auf der Rechnung wiederfinden. Die Rechnung ist der Beleg für das deutsche Finanzamt. Fehlt diese kann es passieren, dass der Preis geschätzt wird und dem entsprechend die in Deutschland zu zahlende Mehrwertsteuer deutlich höher ausfällt.

In meinem Fall bekam ich noch die Zulassungsbescheinigung aus Polen, die Garantieurkunde, das Serviceheft, den 2ten Schlüssel, die Schlüssel-Codekarte, die Radiogarantie und einige Papiere mehr.

Überführung

Eine der Fragen die es zu beantworten galt war die, ob und wie das Fahrzeug denn selbst von Polen nach Deutschland gebracht werden kann. Einen Anhänger habe ich nicht, also sollte das Auto auf den eigenen Reifen fahren.

Nun behaupten viele Seiten im Internet, dass man so eine Überführung nicht mit roten Händlerkennzeichen oder denen einer deutschen Kurzzeit-Zulassung antreten darf.  Selbst die Seiten des ADAC verunsicherten in dieser Hinsicht. Aber nach langer Recherche fand ich dann wonach ich suchte - eine offizielle EU Webseite auf der klipp und klar zu lesen ist, dass alle EU Staaten verpflichtet sind die nationalen Kennzeichen der anderen Staaten zu akzeptieren - also auch rote Kennzeichen und Überführungskennzeichen einer Kurz-Zulassung.

Also schnell eine EVB Nummer der Haftpflichtversicherung besorgt und ein Überführungs-kennzeichen auf der Zulassungsstelle besorgen, bevor man die Abholung antritt. Sollte es dennoch mal Probleme geben, hier der Link zur EU Seite mit den geltenden Regeln. Die Info gibt es da in 14 Sprachen - also zur Sicherheit eine deutsche Version und die polnische Version ausdrucken und mitnehmen.

Deutsche Zulassung

Mit dem Auto und allen Papieren (CoC, Rechnung, Versicherungs-EVB, Personalausweis, poln. Fahrzeugbrief) geht man dann auf die Zulassungsstelle. Umschreibung und Ausstellung der deutschen Papiere kostet knapp 80,-€, dazu noch die neuen Schilder und fertig ist es. Das Auto musste, zumindest in meinem Fall, vorgestellt werden. Fahrgestellnummer, Reifengrößen wurden auf Übereinstimmung mit dem CoC kontrolliert!

Zusammenfassung

Alles in allem war das vermeintliche Abenteuer des EU Eigenimports dann doch keines. Es dauert bis man alle Informationen und Unterlagen beisammen hat - für den ganz eiligen Käufer also wahrscheinlich ungeeignet. Rechtlich ist das aber innerhalb der EU bestens geregelt - endlich ein wirklich sichtbarer, positiver Beitrag der gesamten EU Strukturen.

Würde ich es nochmal machen? Aber ganz sicher!